Kreativer Prozess

13.39 Uhr, sonnig bei 27 Grad im Schatten, 45 an der Sonne …

Ein Beispiel eines wundervollen kreativen Prozesses, den ich versuche in Worte zu fassen um einen kleinen Einblick in das zu geben, was hier geschehen kann …  Geschieht, ohne dass ich mir das überlege, einem Konzept folge oder glaube tun/vermitteln/inszenieren zu müssen … um „etwas zu bieten“ oder mich als  Leaderin, als jene, die Prozesse anstößt oder die im Anderen nach Themen sucht, die „angeschaut, aufgelöst, bearbeitet, losgelassen, geheilt“ werden müssen …

Gemeinsames kreatives Malen war dran. Die Bildbesprechung nach dem Malen ist jedes mal wieder faszinierend …

Es wurde ein sehr spannender Austausch, wie jede von uns das Bild empfindet, was es auslöst und was jede hinein interpretiert.

Mich engten die beiden „Holzbalken“ total ein. Das Gefühl unfrei, eingesperrt zu sein und zu wenig Luft zum Atmen zu haben, machte sich in mir breit. Meine Besucherin gab dem Bild den Titel „wild“ – das empfand ich auch, aber eben eine Wildheit, die sich nicht ausbreiten, die nicht ausgelebt werden darf … Die beiden „Balken“, so erklärte sie mir, seien der Halt, den sie braucht. „Ich brauche die Balken um einen Halt, Schutz und Orientierung zu
haben …“ So ließen wir es erst einmal stehen und gingen in den Pool …

Etwas später setzten wir uns nochmals vor das Bild um zu schauen/spüren, ob sich etwas in jeder von uns verändert hat. Für mich blieb diese Enge. „Für mich ist es stimmig. Es ist einfach der Halt den ich brauche … merke aber auch, dass ich dadurch beengt werde. Also mich nicht wirklich frei entfalten kann … „, sagte sie.

„Also, wenn es mein Bild wäre, ich würde diese Balken sofort entfernen …“ Sie schaute mich an. Betrachtete lange ihr Bild, nahm es in die Hand und begann an einem Balken zu ziehen … “ … den habe ich ja ganz schön fest angeleimt … da siehst du mal, wie wichtig mir dieser Halt ist … „. Sie machte trotzdem weiter. Ich suchte dann in meiner Kiste ein Teppichmesser und legte es neben sie …

Als der eine Balken weg war, war in mir diese Enge und Beklemmung schon viel kleiner. Ich atmete tief und erleichtert durch. Natürlich fragte ich sie, wie es ihr damit geht. „Ich verliere den Halt. Ich fühle mich unsicher und aufgewühlt, meine Sicherheit ist weg…“ So blieben wir lange vor dem Bild schweigend sitzen. Nach und nach, fühlte sich diese „Haltlosigkeit“ für sie nicht mehr bedrohlich sondern mehr und mehr befreiend an. Dann wollte sie es wissen. Wissen, was mit ihr geschieht, wenn sie auch den zweiten Halt/Schutz entfernt.

Es war für sie wesentlich „unspektakulärer“. Damit meine ich, die Reaktion etwas zu verlieren, war geringer. Wieder betrachteten wir schweigend ihr Bild. „Jetzt ist aber die „Wildheit“ weg. Ja, so empfand ich es auch. Sie nahm das Bild und drehte auf den „Kopf“ und da wurde es stimmig. „Ich merke gerade, dass jetzt alles nach oben strebt. Vorher, das fällt mir erst jetzt auf, ging alles nach unten. Das einzig Störende ist nun die getrocknete Grasblüte, die nach unten schaut. Aber weißt du was, es ist das einzige Teil, dass ich nicht angeleimt sondern nur angesteckt habe … ist das nicht verrückt? Als hätte etwas in mir schon gewusst, dass es noch anders werden wird …“

 

 

 

 

 

 

„Wie geht es dir inzwischen mit den Löchern in der Leinwand?“, fragte ich nach.

„Es ist okay. Ich habe nur gerade absolut keine Ahnung, wie es weiter geht. Und jetzt heißt das Bild nicht mehr „wild“ sondern „unvollendet…“

 

So steht das Bild nun bei mir und sie will bei ihrem nächsten Aufenthalt in der Casa Molino de la Maroma schauen, wie das Bild (ihr Leben ohne Balken/imaginären Halt) weiter geht …

Ja, auch ich bin gespannt, auf die Veränderung und Weiterentwicklung.

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