Zeit der Heilung

Kann ich überhaupt verletzt werden?
Oft lese ich, die Seele kann nicht verletzt werden.

Eine fatale Aussage für jemanden der gerade z.B. mitten in einer Trennung steckt, für jemanden der gerade einen Unfall hatte, einen geliebten Menschen verloren hat … für jemanden, der gerade „getroffen“ wurde. Auch wenn es, aus meiner Erfahrung, im Kern stimmt. Es gibt etwas in mir, diese Erfahrung durfte ich in ein paar Situationen machen, dass IMMER unverletzt bleibt. Doch diesen unverletzten Samen zu spüren, kann ein langer Weg sein. Doch, wie heißt es so schön, jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt? Oder der ersten Frage? 😉

Wie willst du dich fühlen?

Ich lebte lange in der Spirale in der es fast täglich irgendwelche Situationen gab, von denen ich mich verletzt fühlte. Ein schräger Blick eines anderen Menschen und ich fühlte mich schlecht, unzulänglich, nicht gut genug … und so weiter. Ein anderer Mensch in meinem Umfeld fühlt sich schlecht, ist mies drauf … Und ich fühlte mich dafür schuldig/verantwortlich. Entweder weil ich dachte, ich hätte was getan was den anderen Menschen verstimmt oder aber, weil ich ihr/ihm seine „Laune“ nicht abnehmen und glücklich machen konnte …

Natürlich sind das erlernte Mechanismen (Programmierungen) und die sitzen meist sehr tief. Dieses sich ständig schuldig, verantwortlich, nicht gut genug, etc. zu fühlen sind typische Symptome der Opferrolle. Und klar, jeder Mensch der als Kind Gewalt erlebte, wird in dem Moment des Geschehens zum Opfer gemacht, da es sich nicht wehren, nicht für sich und sein Wohlbefinden selbst sorgen kann …

Das „Opferprogramm“ hinterlässt tiefe lebensfreude verhindernde Spuren. Man weiß heute aus den Neurowissenschaften, dass Gewalt/Missbrauch auch eine „Verletzung“ des Gehirn ist. Verletzung in dem Sinne, dass weniger Synapsen gebildet werden und viele der Synapsen die gebildet werden, negative Ladungen haben. Synapsen für Glück zum Beispiel, wird man je nach Ausmaß der Gewalt, kaum finden, dafür umso mehr Synapsen der Angst. Dies führt dazu, dass ein Mensch der als Kind in Angst lebte, sehr vieles was als Erwachsene*r um sie/ihn herum geschieht, negativ interpretiert wird. Die Alarmglocken ständig klingeln. Man fast ohne Unterbruch auf der Hut ist. Sich ständig fragt, was die/der andere wirklich von einem will … usw. Das ganze was da im Gehirn geschieht ist natürlich viel komplizierter aber ich liebe das Einfache. Und ich denke, dies zu wissen reicht auch. Sich nun darauf ausruhen und zu denken: „Eben, ich kann nichts dafür, für das wie ich bin …“, ist nicht nur aus meiner persönlichen, sondern auch aus der Sicht der Neurowissenschaften, so gut ich darüber informiert bin, unkorrekt. Denn, und das ist die WUNDERvolle Nachricht, wir können uns selbst umprogrammieren, da wir NIE mit lernen aufhören und somit ständig neue Synapsen gebildet werden.

 

 

 

… und ich kann dies bestätigen 🙂 Als ich mit 19 Jahren von zu Hause auszog, ich schrieb es schon einmal, war meine erste Absicht, damit aufzuhören zu fluchen und schlecht, abwertend über andere Menschen (in ihrer Abwesenheit) her zu ziehen – wie ich es vorgelebt bekam. Da es mich als Kind schon störte, war es nicht besonders schwierig, dieses „Familienlaster“ hinter mir zu lassen. Jedoch, ich kannte kaum liebevollen, achtsamen, wertschätzenden Umgang. Ich wusste nicht, dass es schön ist, wenn jemand einem ein Kompliment macht … ich geriet in Panik, wenn jemand nett zu mir war, denn was wollte sie/er jetzt von mir? … Wurde ich von Freund*innen liebevoll in den Arm genommen, brach ich in Tränen aus, so schmerzhaft fühlte sich Liebe für mich an …

… und, ich bin noch immer zu 100% davon überzeugt, dass es möglich ist, so viele neue Synapsen zu bilden, dass es mehr sind als die alten Opfersynapsen.

Das geschieht natürlich nicht auf Knopfdruck. Zumindest bei den meisten Menschen nicht. Und es geschieht auch nicht, dies wieder meine persönliche Wahrnehmung, wenn ich mir nicht zu 100% klar darüber bin, wer ich SEIN will.

Wer willst du SEIN, wie willst du dich (in dir, mit dir) fühlen?

Erst wenn ich das weiß, kann Veränderung beginnen. Kann das Universum für mich „arbeiten“. Nein, es geht nicht ums Wünschen sondern darum, wie ich mich fühlen will und dies dann auch wirklich immer und immer wieder zu fühlen, auch wenn es noch nicht so ist …

Bevor ich hier in die Abgeschiedenheit zog, war mir vollkommen klar, was ich will: FRIEDEN.

In diesem Jahr gab es unendlich viele Situation die mir zeigten was FRIEDEN SEIN ist. Aber auch viele Situation, die mir aufzeigten was mich aus diesem herrlichen Pool heraus katapultiert …

Wer also, willst du SEIN?

Herzlichst,
Michèle die Geschichtenerzählerin und Mittlerin zwischen den Welten

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