Frei werden, frei sein

Frei werden, frei sein … von alten Geschichten.

Ich darf gerade mal kurz wieder erleben, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, meinen Geist von alten Geschichten frei zu halten B-) James mein Verstand ist schnell und clever und hat ununterbrochen irgend eine Meinung zu allem was um mich herum geschieht. Was die Geschichtenerzählerin in mir cool findet aber ein anderer Teil in mir, oft dann aufgefordert wird, da genauer hinzuschauen und hinzuspüren.

Dafür ist Facebook immer mal wieder ein toller „Arschengel“. Natürlich nicht Facebook sondern die Menschen die meine Beiträge kommentieren … Ich danke dir DIR für dein dich zeigen und einbringen. Als Beispiel nehme ich meiner erst kürzlich veröffentlichte Geschichte, „Männer wollen nur das Eine.“ Sie beginnt mit einer ziemlich heftigen Aussage einer Frau und ihrer Sicht auf die Männer, die dabei eher schlecht dabei abschneiden … Wer nicht schon nach den ersten drei Sätzen das Lesen angetriggert aufgaben, konnte dann feststellen, dass ich von der weiblichen Wunde erzähle, die zu solchen Aussagen führen können, von der Wunde der inzwischen erwachsenen Frauen die einst als Kinder Gewalt/Missbrauch erfuhren …

 

Zu den Kommentaren unter dem Beitrag

Sie sind wie sie sind. Sie sind das, was in „dir“ gerade ausgelöst und von dir geteilt werden „muss“ … Ich lese sie und wenn in mir ein Impuls ist, halte ich kurz inne, spüre/fühle die Essenz meines Impuls und entscheiden dann, ob er mitgeteilt werden soll oder ich „deinen“ Kommentar einfach unkommentiert (auf mich wirken), stehe lasse.

Faszinierend für mich dabei ist meine Ruhe. Der Frieden den ich dabei in mir spüre. Es triggert mich nichts. Nehme zwar eine „Verwunderung“ in mir bei einigen Kommentaren wahr, kann diese aber nicht deuten und lasse es so wie es eben gerade erlebt wird, sein. Erst, als die wundervolle, für mich sehr klare Milena sinngemäß dazu schreibt: … dass das Thema Missbrauch hier von allen umschifft/ignoriert wird (meine Worte), fällt in mir der Groschen.


Eintauchen in die Wunde des Missbrauchs

Zwei Tage später, ich bin gerade bei Mel zu Gast, genieße den faszinierend schönen Sonnenuntergang von ihrer Terrasse aus, geradeaus den weiten Blick übers Meer auf Torrox runter, links meine geliebte La Maroma, tauche ich nochmals in das Thema ein. Forsche im Laufe der Nacht in mir nach dem „Alten“. Danach was ich von „früher“ kannte. Suchte den Teil der so lange sich zusätzlich von der Ignoranz des Themas und des/meines schmerzlichen Weges verletzt fühlte … und stellte erfreut und dankbar fest, es verletzt mich nicht mehr … Da ist Verwunderung, dass das Thema so umschifft und ausgeklammert/ignoriert wird … Nehme dies jedoch nicht mehr persönlich … Es ist vorbei. Endlich. Ich bin in Frieden damit. Keinen Schmerz und keine Bitterkeit mehr in mir darüber wie mein Weg war und ich wünsche mir von ganzem Herzen ich könnte dies für andere Überlebenden „bewirken“ …


Die globale Wunde

Viel mehr ist da nun das Mitgefühl bei meiner Wahrnehmung, dass es für viele Betroffene und Nichtbetroffene ein Thema ist, dem sich kaum gestellt werden kann. Ich kann es verstehen, es ist ein dunkles Thema, ein Thema ohne Lösung … Zumindest ohne Lösung für die Kinder die es erleben. „Wir“ können sie nicht schützen und das fühlt sich wirklich alles andere als gut an. Also, da „ich“ es (in der Welt) nicht verhindern kann ignoriere ich das Thema oder bastle eine neue Geschichte die da sagt: Alles ist richtig so wie es ist … oder so ähnlich.

Ich nehme dies als die Wunde die wir alle in uns tragen wahr – Betroffene und Nichtbetroffene. Was auch immer geschieht im Guten wie im Bösen, keiner von uns ist frei davon, da wir EINS mit allem sind. Jedoch, so meine persönliche Erfahrung, die Wunde kann heilen. Der jahrelange innere Krieg den ich weit über das Erlebte hinaus, weiter geführt habe, ist beendet. Ich habe Frieden mit meinem Weg und dem was auch immer auf ihm geschah, was auch immer ich an schönem und schmerzlichen erlebte, geschlossen. Ich habe für meinen hinter mir liegenden Weg keine Wertung mehr: Schlimm. Schmerzlich. Schlecht. Gut. Wichtig. Überflüssig. Schwer. Traurig. Notwendig? Ich weiß es nicht mehr. Andres ausgedrückt: Es ist vorbei. Es gibt auch nach einem langen Weg von Therapie und intensiver Selbstreflexion keine Antwort darauf, warum es war sie es war … Warum Gewalt an Mensch, Tier und Natur vom Mensch geschieht … Es gibt viele Ideen dazu, viele Sichtweisen, Erklärungen aber im Endeffekt merke ich für mich, eine Antwort logisch, eine wörtliche Antwort die auf alle Gewalt passt, habe ich nicht …


Die Lösung lag/liegt immer in mir selbst

Da bin ich auf mich selbst zurück geworfen. Den/die Schuldigen im Außen brachten mich nicht weiter, brachten keine Heilung. Da ging es viele Jahre um Akzeptanz dessen was geschehen war. Um das loslassen des Haderns, der Schuldzuweisung, der Idee, dass „Erwachsene“ anders sein und handeln müssten, dass wenn wir (Menschen) es wollten, wir hier das Paradies erleben könnten … und so weiter …

Akzeptieren. Stehen lassen. Mir selbst die weitere erlernte Gewalt die ich als Erwachsene an mir fortführte, in mein Leben zog, mir zu verzeihen … wieder, ohne meinen Eltern, Partner oder wem oder was auch immer die/den Schuldigen zu suchen.

Eines habe ich für mich verstanden, alles was geschieht, geschieht in mir. Nirgendwo sonst. Ich bin es die lernen darf, gut, liebevolle, achtsam und klar für mich zu sorgen. Ja und Nein sagen zu lernen. Bei mir zu bleiben. Meine ganze Projektionen, dass es da im Außen jemanden gibt, der Schuld an meinen Gefühlen, Interpretationen und Gedanken ist, los zu lassen und bei mir zu schauen … Hundert Mal … Tausend Mal … Millionen Male … Jedes mal wenn mich etwas triggert – schmerzt, verletzt – ist da das Geschenk der Heilung für mich …

Dies bedeutet nicht, dass ich mich über Jahre mies behandeln lasse. Ganz im Gegenteil, es bedeutet dafür zu sorgen, dass andere mich gar nicht erst mies behandeln – dass andere mich nicht so behandeln wie ich es oft unbewusst glaube, zu verdienen oder nicht mehr Wert zu sein …

Michèle, die Geschichtenerzählerin, Mittlerin zwischen den Welten, intuitive Begleiterin

 

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