Drachenweib – Ein Märchen

Erstaunt, fröhlich und mit großen Augen schaut sie sich um. „Oh, ich bin ja wieder da …“ Sie freut sich und hofft, dass sie dieses Mal bleiben und wachsen kann. Aber wirklich viele Gedanken macht sie sich darüber nicht. Sie ist noch ziemlich wacklig auf ihren Beinen und dies fordert ihre ganze Aufmerksamkeit. Auch, dass sie sich ihrer selbst bewusst wird, katapultiert sie aus dem Verstand. Die Tatsache, dass sie wiedergeboren, nochmals aus dem Ei geschlüpft ist … jui, wie aufregend, spannend und abenteuerlich …

Unsicheren Schrittes verlässt sie die Höhle und tritt in den strahlenden Sonnenschein hinaus. Genießt das Gras unter ihren Füßen. Atmet die frische Luft ein. Es ist ihr, als hätte sie lange den Atem angehalten. Sie erinnert sich, dass sie Feuer speien konnte und versucht es gleich … jedoch, noch prusten lediglich ein paar minikleine Fünkchen aus ihr … Aber sie weiß, dass wird sich ändern …

Munter und neugierig watschelt sie weiter und erreicht den großen See der Vergangenheit. Betrachtet auf der ruhig daliegenden Oberfläche ihr Spiegelbild. Lächelt sich an. Erfreut sich an ihrem Neusein. An ihrer Auferstehung. Sie findet sich süß. So schön grün. Ein ganz helles, fast leuchtendes grün. Große, neugierige funkelnde Kulleraugen schauen sie an. Sie spürt eine neugierdige Freude auf das was auch immer kommen mag. Neugierig, wie Kinder eben so sind … Als sie genug davon hat sich zu betrachten setzt sie sich ans Ufer. Sschaut versonnen in den See der Vergangenheit. Oh ja, sie erinnert wieder sehr lebendig an ihre letzte Inkarnation. Wie ein Film zieht dieses gelebte und hinter ihr liegende Leben an ihr vorbei. Es gibt einiges, von was sie, obwohl im Moment noch Kind, nicht nochmals erleben/erfahren, sich kreieren möchte. Sie sieht glasklar ihre Selbstsabotageprogramme. Ihre Ängste vor ihrer eigenen Kraft und Macht … Die Angst vor der Lebensfreude, weil ihr im letzten Leben gesagt wurde, dass Lebensfreude etwas Gefährliches ist und darauf immer was Schlimmes folgt …Auch eine uralte Angst vor ihrer Kraft, dass sie ihr Feuer als erwachsenes Drachenweib zu ihrem Vorteil missbrauchen könnte, zeigt sich im See der Vergangenheit … Eine uralte Erinnerung die nicht aus ihrem letzten Leben zu sein scheint … Aber auch die Angst vor ihrer Weiblichkeit, Sinnlichkeit, vor ihrem Feuer der Ekstase – hat sie sich doch oft genug durch ihr Feuer selbst verletzt …

Sie hebt ihren Blick und wirkt nun sehr erwachsen. „Das also sind alles meine Selbstsabotageprogramme …“, denkt sie. Bei diesem Gedanken beginnt die Oberfläche des Sees sich zu kräuseln. Neugierig schaut das frisch geschlüpfte Drachenweib wieder auf den See. Langsam beruhigt er sich und liegt nun wieder spiegelglatt vor ihr.
„Ja, das waren deine unbewussten Programme. Doch du bist Wiedergeboren und das Sehen dessen womit du dich selbst klein gehalten, womit du die kindliche, unschuldige Lebensfreude gedrosselt hast, ist eine Erinnerung. Ist dein vorheriges Leben. Im Lichte der Bewusstheit verändert sich alles und nichts ist mehr so und geschieht nochmal so, wie es einmal geschah …Bleibe wach und neugierig auf das was kommt. Achte darauf welche Schritte du gehen willst … was du erleben willst … Du bist Auferstanden, die Vergangenheit ist nur ein Schatten den die Sonne wirft … Fürchtest du dich vor deinem Schatten der da neben dir ist?“
“Nein, warum sollte ich. Der kann mir ja nichts tun …“ platzt es aus dem kindlichen Drachenweib, erstaunt über eine solche Frage, heraus.
“Eben. Was kann dir ein Schatten antun? Sieh ihn dir an. Lass ihn da sein. Er ist ein Teil von dir aber ohne dein Wollen, kann er sich nicht durch dich ausdrücken … Nimm ihn wahr und du wirst ihn nicht nochmals leben wollen …Und in deinem tiefsten Inneren weißt du dies bereits. Die Zeit der Selbstunterdrückung, der Selbstsabotage neigt sich dem Ende zu … Was du jetzt noch spürst, sind nur noch die Ausläufer aus der Vergangenheit …“
“Ja. So sei es. Danke.“

Sie steht auf und läuft, auf ihren noch unsicheren „neuen“ Beinen, zurück zu ihrer Geburtsstätte. Wirft als erstes die zerbrochenen Stücke ihrer Eierschalen aus ihrem Nest. Rollt sich mit einem zufriedenen Seufzer behaglichen und voller Vertrauen und Neugierde auf das Wachsen zusammen. Während sie einschlummert hört sie nochmals den See der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ihr zuflüstern:
„Lass es geschehen. Es gibt nichts zu tun. Nichts was du tun müsstest, worüber du nachdenken müsstest … alles was du wissen musst, was zu deinem Besten geschieht, wird geschehen … Erhole dich. Eine Geburt ist anstrengend …“ Begleitet von einem sanften, liebevolle, leisen Lachen, welches wie ein Lied der Liebe klingt, lässt sie für diesen Moment ihre Ängste los.

ENDE

Gestern Abend packte Deva ihren selbst gefertigten Resin-Schmuck (Bild 1) aus und … ich konnte es irgendwie selbst nicht fassen, ich wählte aus den vielen schönen Stücken den Drachenanhänger (Bild 2) … Wir philosophierten noch eine Weile über das Feuer in uns. Wie wichtig dieses Feuer ist …
– dazu irgendwann mehr
Als ich im Bett lag, fiel mir ein, dass ich irgendwann in meinem „vorherigen“ Leben ein Drachenbild gemalt hatte (Bild 3 – 31.1.09)

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