Veränderung – Vergebung

In der Frauenbegleitgruppe von Narayani, „Ankommen in dir“, lese ich beim genießen meines erstens Kaffees folgende Frage:

„Was hat dein Leben tiefgehend verändert?“

Es ist seit der Vollmondnacht ein Rückschau halten und da passt diese Frage so gut. Danke Naryani für diese Frage

Ich schaue zurück und sehe einen langen Fluss der Veränderung – als gäbe es gar nichts anderes als Veränderung. Klar, manchmal fühlte es sich über Tage, Wochen oder Monate so an, als würde der Fluss gestaut sein, stagnieren und das Wasser des Lebens brackig werden … Auch heute geschieht dies manchmal noch für ein paar Stunden oder ganz selten auch mal für ein paar Tage.

Der Fluss fließt, er kann gar nicht anders. Jedoch ich fließe wohl nicht immer mit. Hänge dann in einer Gedankenschleife, die den Anschein vermittelt, dass alles stagniert, still steht …

Schaue ich allein auf die letzten drei Jahre hier in Andalusien zurück … Was hat sich in meinem Leben seither verändert? Oberflächlich betrachtet nichts. Ich bin hier oft noch im Gefühl, dass ich bezüglich, zum Beispiel meiner Berufung und meines genierens eines Lebensunterhaltes keinen Schritt weiter gekommen bin.

Und trotzdem so viel Veränderung

Es gab so viele innere Prozesse. So viele Phasen in denen ich in einen bisher nie gekannten Frieden und ein umfassenden Vertrauen verweilen, baden, durfte … Es gab Phasen der Unruhe, der Stille, neuer Erkenntnisse, es wurde Impulsen gefolgt und geschaut was daraus passiert, es waren verschiedene Menschen, für zwei Wochen oder gar für fünf Monate hier und mit jedem Menschen kamen äußere Momentveränderung aber auch nachhaltige Innere Veränderungen, die Phasen mit mir – und meinen Tieren – allein gerade letzten Winter. Fast 5 Monate keinen Kontakt zu anderen Menschen … zapfig

Wenn ich heute gemütlich und still in mir ruhend da sitze, huscht ein Lächeln über meine Lippen und ich schüttle verwundert den Kopf. So viel erlebt. So viel gelebt. So viel neues ausprobiert. So viel unablässige Veränderungen, äußerlich und innerlich. Die Sehnsucht nach LEBEN, danach mich lebendig und echt zu fühlen, ließ mich immer und immer wieder alles hinter mir lassen, neues beginnen. Verschiedene Jobs, Orte, Männer, Lebenssituation, viele Reisen …

Auswandern nach München 1996, Amors Pfeil folgend (wieder einmal … lach), 1996 die Schwangerschaft und Geburt meiner geliebten Tochter – mich bereits seit einigen Jahren abgefunden habend, dass mein einer Kindheitswunsch, Kinder zu haben, Mutter zu sein, nicht in Erfüllung geht …

Meine Reise ein paar Tage nach der Motorradprüfung für die 125er, durch die Wüste Tunesiens, Algeriens und Marokko … Die von einen großen Getränkehersteller gewonne Reise durch Japan … Meine Reise mit 22 Jahren nach Pittsburgh, nach dem Tod meines Vaters, um meine mir unbekannte Halbschwester kennen zu lernen – ohne auch nur ein Wort Englisch zu können … Die Zeit mit einem Mann in Motoguzzi Club … Die vielen körperorientierten Aus- und Weiterbildungen um bei mir anzukommen … Die Begegnung mit zirka 26 Jahren am Türkischen Zoll mit einem Mann unter brütender Hitze, an meiner Seite mein damaliger Verlobte … ein einziger Blick in die strahlend blauen Augen eines Fremdes, ein Satz von ihm … diese Stimme … Boah … Gänsehaut. Ein magischer, verzauberter Moment, nicht von dieser Welt … Ach ja, ich könnt nun wohl ein ganzes Buch füllen …

Es ist für mich selbst erstaunlich, dass wenn ich heute zurück schaue, mir erst einmal nur die schönen, berührenden, abenteuerlichen, spannenden, liebenden Momente und Phasen einfallen. Puuh, was für ein Geschenk. Was für eine Veränderung. Ja, das war nicht immer so. Ich habe viel erlebt und es gab immer auch schöne, berührende Ereignisse die mich für eine Weile der Dunkelheit der Kindheit, in der ich sehr lange verstrickt blieb, enthoben …

Und selbst wenn ich jetzt gerade, seit diesem Vollmond in viele Geschichten meiner Kindheit herum blättere … ist alles verändert. Früher hätte ich gesagt, in meinen dunklen Geschichten. Aber diese Dunkelheit ist nicht mehr in mir. Ja, es WAREN in dem Moment dunkle, sehr dunkle Geschichten von denen ich mir wünsche, dass sie kein Kind erlebt.

Die größte Veränderung in meinem Leben ist, dass ich heute zurück schauen kann und es in mir Ruhig bleibt. Ja, sogar eine Liebe für meine Eltern und den Weg den wir zusammen gingen in mir fließt. Ich kann sie sehen. Diese beiden tief verletzten und verlorenen Kinder, die warum auch immer, zusammen kamen und keinen Frieden in sich und miteinander fanden. Ja, ich fühle tief mit ihnen, dass sie das Licht, die Liebe, den Frieden während ihrer Lebzeit nicht kreieren konnten und statt dessen, im Schlepptau vier Kinder, durch ihre innere Hölle gingen die eine Äußere erschuff.

Danke Mami, danke Paps, ihr habt mir den Weg gezeigt. Den Weg den ich mir als Kind schon vorgenommen habe, niemals zu gehen. Ja, ich bin ein paar kürzere Wegstrecken in euren Spuren gegangen, vielleicht um zu fühlen wie es euch wohl erging damit ich euch beide, die tief verletzten Kinder sehen und dadurch Vergebung geschehen konnte und mit den Jahren dazu führte, dass die Staumauer um mein Herz zerbracht und die Liebe zu euch und inzwischen auch zu mir, ins fließen kam …

DANKE

Bild: Michèle mit 15 Jahren und vor ein par Wochen

 

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