Tulipan

Mila brachte mich auf die Idee, nachzuschauen was Tulpen bedeuten. Auf sehr vielen Seiten stand mehr oder weniger das gleiche. Wie immer bei Blumen, geht es um die Liebe aber da war noch ein Satz, der mir gar nicht gefallen wollte und den ich sofort mit, hach so ein Quatsch zur Seite schieben wollte.

Du bist zu keinen echten Gefühlen fähig.

Nachdem ich dann ein andere Seite fand, die die Bedeutung zum Beispiel in der griechischen Mythologie ganz anders skizziert, war ich wieder besänftig und sagte mir, ja, das glaube ich schon eher.

Wer dies lesen möchte, findet es hier.

Jedoch, ich weiß für mich, dass wenn ich etwas erst einmal in die Tonne haue, dass ich da eventuell etwas genauer hinschauen sollte, was da gerade dazu führte, dass ich es negieren will B-)

Ich „musste“ als junge Frau tatsächlich lernen zu fühlen. Vor allem das erst einmal überhaupt wahrzunehmen und dann zu fühlen. Ich kann mich an meine erste Reise, zwei oder drei Wochen nach meiner Motorradprüfung erinnern. Ich weilte damals bereits zirka 20 Jahre auf Erden und hatte einiges an Dunkelheit in Form von familierär Gewalt überlebt und mein System war darauf programmiert ständig in einem Alarmzustand zu sein um eventuelle „Trettminen“ zu erkennen und ihnen auszuweichen … Also ständig darauf zu lauern, woher gerade Gefahr drohen könnte … In der Wüste, bei einem fantastischen Sonnenuntergang nahm ich wahr, dass beim Betrachten dieses Geschenk der Natur etwas mit meinem Partner machte. Er hatte eine andere Austrahlung. Einordnen konnte ich es nicht jedoch berührte mich was ich wahrnahm und ich nahm mir vor, dass ich das auch fühlen will. Klar, fand ich den Sonnenuntergang auch schön, jedoch löste er nichts in mir aus …

Kommen wir aber ins JETZT, da ich ja die Tulpen gestern malte.

Ja, das Bild wirkt sehr lebendig und freudig auf mich. Ich liebe es und es tut mir gut es zu betrachten. Jedoch, zu welchem echten Gefühl bin ich im JETZT nicht fähig? Ich kann nicht abstreiten, dass da etwas tief in mir ist, dass sich irgendwie nicht gut anfühlt aber ich fühle nicht was es ist. Ein Cocktail aus Angst, Orientierungslosigkeit, Trauer und so etwas wie „Lebensmüde“ sein, des Lebens müde zu sein.

Und erst heute nach dem Aufwachen kam die Antwort und floßen ein paar Tränen als aus dem Nichts ein kurzer Satz, eine Frage auftauchte, den ich übrigens auch im ersten Augenblick versuchte wegzuwischen: Wann komme ich endlich mal an?

Seit meiner Geburt bin ich ständig woanders. Die längste Phase an einem Ort waren 12 Jahre, weil ich auf keinen Fall meiner geliebten Tochter ständigen Schulwechsel, wie ich ihn erlebte, zumuten wollte. Ich habe meine 8 Jahre Schulzeit in 6 verschienen Schulen und Orten verbracht. Bindungslosigkeit. Begonnen nachdem ich mit 6 Tagen in eine Pflegefamilie kam, dann noch eine und schlußendlich mit 3einhalbjahren zu meinen Erzeuger*innen, die ich absolut nicht kannte, zurück gebracht zu werden und mit ihnen bis zu meinem 19 Lebensjahr 13 mal neu anzufangen …

Das zog sich dann durch mein Leben. Ich wechselte meine Partner, meine Arbeitsstellen und die Orte in denen ich lebte weiter in einem zirka 2 bis 5jährigen Rhytmus. Seit meinem Zusammbruch 2015 bin habe ich den sechsten Umzug hinter mir und den nächsten schon vor mir.

Ich habe genug davon. Es wird immer anstrengender allein die Kisten mit meinen persönlichen Sachen zu schleppen aber auch immer wieder neu anzukommen und einzurichten.

Wovon ich träume, wie ich leben möchte? Jetzt mal ganz davon abgesehen ob ich es finanzieren kann.

Ein schönes Stück Land mit einer Wasserquelle, vielen Obstbäumen, einem Garten in der Abgeschiedenheit wo ein kleines Häuschen steht und sich nach und nach ein paar Seelengefährt*innen dazu gesellen, ihr eigenes kleines Häuschen aufbauen oder es stehen oder entstehen noch zwei oder drei kleine gemütlich Häuschen und wir leben für unbestimmte Zeit in einem erweiternden, nährenden, freudvollen Miteinander zusammen …

Ich merke, es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass es eine letzte Station gibt in der ich dann den Rest meines Lebens verbringe. Obwohl ich des „Reisens“ müde bin. Aber mal wieder ein paar Jahre an einem Ort zu verweilen, dass hätte schon was …

Was ich mir kaum vorstellen kann ist eine starre Gemeinschaft oder das zusammenleben in einem Haus in dem ich Küche und Bad teile. Da sitzt noch eine alte Angst, keine Rückzugsmöglichkeit, zu haben, überfordert zu sein, mich nicht abgrenzen zukönnen, etc. in mir …
 
Das innere Kind winkt die letzten Tagen immer mal wieder …
 
 

Atmen. Hinfühlen. Annehmen.

Atmen. Hineinfühlen. Annehmen.

Da wo die Angst ist, da geht es lang?

Oder dem Traum fogen ohne im Moment auch nur die leiseste Ahnung zu haben, wie dieser sich materiallisiert?

Ja, das treibt mich um und das Malen hilft mir dabei, dass es über Stunden ruhig ist in mir. Das ich ganz im JETZT bin und fasziniert zuschaue, wie ein Bild wächst und sich verändert und zeigt mir unbeabsichtig die tieferen Schichten.
 
So schön. DANKE.

 

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