Sonne

Gestern habe ich meinen Hausteil geputzt – das war aus zwei Gründen, echt dran. Zum einen lief man ständig über Sand und kleine Steinchen und zum Anderen, habe ich gestern für mich wieder einmal intensiv erlebt, dass ich durch das Putzen, mich mit dem was mich umgibt, dem Haus, den fremden Möbeln aber auch mit meinen eigenen materiellen Dingen, verbinde … Das ist ein schönes, erfüllendes Gefühl.
 
So bin ich nun ein gutes Stück weiter hier angekommen. Und ja, es war heute sofort, schon beim Aufwachen ein anderes Gefühl. Ich machte die Augen auf und schaute mich in meinem Schlafzimmer um, und nahm ein Glücksgefühl in mir wahr. Also im Haus bin ich nun angekommen – nun folgt dann die „Vereinnahmung“ der Terrassen.
Heute waren unsere Vermieter kurz, mit zwei anderen Männern hier. Die „Betonieres“ kicher … Also die, die nun am Mittwoch die untere Terrasse betonieren werden und ab Donnerstag, so sagt José unser Vermieter, können wir dann drauf.
 
„Macht aber alle Fentster und Türen zu, das staubt und auch die Tiere, lasst sie im Haus …“, sagt Marie zu mir und fügt dann, meinen Arm nehmend hinzu, wir stehen vor der Treppe von der oberen zu unteren Terasse: “ … hier möchte ich eine Sonne haben. Und du malst sie bitte. Ich zahle dir die Farben. Magst du das machen?“ Klar habe ich ja gesagt obwohl ich NULL Ahnung habe wie man eine Sonne auf Beton malt, über die man drüber laufen kann und die nicht gleich abblättert. Da muss ich mich echt erst schlau machen …
 
Aber darum geht es mir jetzt gar nicht. Dafür findet sich eine Lösung.
 
Mich hat die ganze Szene sehr berührt. Auch wie sie mich angestrahlt hat. Ihre Hand leicht um meinem Oberarm um mit mir vor der Treppe zu stehen, damit ich sehe, wo sie die Sonne gerne gemalt haben möchte … Dass ich sie malen soll. Das ist irgendwie für mich irrelevant. Gut, sie hat im Haus meine Bilder gesehen, sie scheinen sie also berührt zu haben oder zumindest zu gefallen und so wünscht sie sich jetzt halt eine von mir gemalte Sonne auf der unteren Terrasse … das ist so das irdische Geschehen 🤓
 
Als ich am 1.9. hier ankam um den Vertrag zu unterschreiben, war mein inneren Eindruck: „Puh, das wird nicht einfach. Die hat ein paar Haare auf den Zähnen.“
Ich empfand sie als sehr Geschäftlich, was ich bisher bei meinen anderen Vermieter*innen noch nicht erlebt hatte. Es war immer auch eine Herzlichkeit zwischen uns. Hier fehlte diese und als sie sagte, sie würde jeweils am 1. des Monats die Miete hier abholen, sträubte sich alles in mir und ich erklärte ihr, dass ich ja eh zu Bank nach Periana fahren muss und es ihr dann jeweils bringen werde …
 
… ganz langsam schmolz das Eis die letzten Tage. Also langsam vermutlich nicht, den wir sind ja erst den 13. Tag hier. Sie trägt keine Maske mehr und hat ein sehr strahlendes Lachen. Ich spüre, sie hat uns als Mieter*innen nun voll akzeptiert. Sie fand es schön, wie wir das Haus eingerichtet haben und ich konnte sie nochmals wegen meinen Tieren beruhigen. Ich hatte nämlich inzwischen die Spuren von Hundekrallen und Gebiss an meiner Schlafzimmertür entdeckt, die Katzenkrallenspuren auf dem tollen Seßel …
Ich meine, dafür, dass sie NIEMANDEN mit Tieren mehr haben wollte und ihr Mann nur dies mit den zwei Hunden erzählte und meine drei Kater verschwieg und sie am Tag meines Einzugs ziemlich verstimmt war, dass ich hier auch noch mit drei Katzen ankomme … als wären zwei Hunde nicht schon genug …
 
… also alles in allem, hatten wir einen schwierigen Start 🤓
 
… und, wow wie durch Zauberei hat sich alles „Trennende“ zwischen uns aufgelöst. Diese spanische Herzlichkeit ist eingezogen 🙂

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