Schritte

Die letzten zwei Tage war ich unfähig irgend einen weiteren Schritt zu tun oder einen klaren Gedanken zu fassen. Ja. Nein. Ja. Nein … so ging es die ganze Zeit hin und her. Was ist wirklich dran? Was ist das Beste für mich? Was tut mir jetzt gerade gut um wieder in meiner Mitte zu sein.

Ich hatte ja in meiner letzten Geschichte erzählt, dass sich eine Tür geöffnet hat und ein Engel mich hier unterstützt. Eine Powerfrau. „Jetzt klotzt du einfach 4 Tage hin und der Umzug ist über die Bühne.“ Sie hat recht, doch wenn das SEIN einfach nicht mitmachen will, einem alle Kräfte verlassen und man sich wie krank fühlt, jede Zelle nur noch sich ausgelaugt fühlt, der Verstand vernebelt ist …

Ich bin in meinem Leben oft, sehr oft weit, weit über meine Grenzen hinaus gegangen. Habe mehr von mir verlangt, als ich je von anderen Menchen verlangen würde … Das geht nicht mehr. Mein ganzes System versagt seit meinem Zusammenbruch, wenn ich die Schritte nicht in Klarheit, Zuversicht und Ruhe gehe … Und das fehlt gerade. Ja. Nein. Ja. Nein … ich schwanke statt zu schreiten … So ist es gerade.

Aber ich brauche nur ja zu sagen, zu packen und dann kann ich nächste Woche, wenn dies mein Weg ist, umzuziehen.

Ängste überwinden, Dinge wagen, die für mich eine Herausforderung sind, auch im Wissen, dass sie Peanats sind …

Morgen zieht Mila schon einmal in die casa pequena, da sie auf den 10. Mai das Grundstück verlassen muss – nachdem ich den neuesten Anordnungen und Erwartungen meiner einstigen Teammitglieder und Geldgeber für das Projekt, nicht gefolgt bin – wurde die Zusage, dass sie bis zum 31.5. ihr Zimmer, für welches sie Miete bezahlt, zurück genommen … Damit, so spüre ich es, wollten sie nicht Mila treffen – auch wenn ich es für eine menschliche Schweinerei halte, da hier in Spanien ein ziemliches Durcheinander darüber herrscht, in welcher Provinz man wieviel Freiheit leben kann und viele Verordnungen erst einmal bis zum 24. Mai verlängert wurden. Innerhalb einer Provinz, so habe ich es verstanden, darf man sich freier bewegen … Nun gut, wie auch immer. Mila wird nun als erste das Häuschen beziehen was in der Nähe ist …

… die Vorstellung, dass wir dort zu zweit leben macht mir Angst, löst ein Engegefühl in mir aus. Ich mache mir auch Sorgen um meine drei Kater, die mit einer zwar total lieben Nachbarshündin aber auch mit anderen Katzen klar kommen müssen, wenn ich „rüber“ ziehe …

Als ersten Schritt habe ich heute morgen erst einmal Michael, „meinem“ WLAN Engel angefragt, ob er überhaupt her kommen darf und mein WLAN ab- und wieder aufbauen kann. Klar ja, sind Luxusprobleme …

Alle Probleme, die ich gerade erschaffe, sind für viele Menschen auf dieser Erde, Luxusprobleme. Sei es ohne WLAN für unbestimmte Zeit zu leben, sei es die Enge, sei es die Tatsache, dass ich meine persönlichen Dinge nicht um mich habe oder sei es die Angst, dass einer oder alle meiner Kater gehen, weil das Revier den Katzen meiner Nachbarin gehört … Oder sei es gar, dass ich hier in Andalusien für mich keine Zukunft sehe, mich aber auch nicht wohl fühle bei der Entscheidung nach D zurück zu kehren, nicht wohl fühle bei der Entscheidung hier zu bleiben … Dass dieser Umzug lediglich eine vorübergehende Sache ist und nochmals ein Umzug dann ansteht – obwohl ich dies natürlich überhaupt nicht wissen kann …

Was bleibt dann?

Den Mindfuck durchatmen.

Atmen. Durchatmen. Fühlen. Die Wellen kommen und gehen lassen und darauf zu vertrauen, dass am Ende immer das Beste für mich geschieht auch wenn es sich im Sturm, im Wellengang von auf und ab, gerade nicht so anfühlt.

Den Sturm durchatmen. Luft holen, abtauchen, Luft holen, abtauchen …

Jeder Sturm hat irgendwann ein Ende.

Aber wieder ist ein Schritt getan, ich kann den inneren Sturm heute schon in Worte fassen, greifen und damit begreifen. Mich, mein inneres Kind, welches all diese Ängste, die Todesängste von frühester Kindheit an kennen gelernt hat, in den Arm nehmen und atmen, atmen, atmen …

Michèle, Geschichtenerzählerin

Nachtrag:

Nachdem ich meinen inneren Sturm in Worte fassen konnte und gerade während ich mir noch einen Kaffee mache wird mir ein Muster in mir klar: In einer Situation zu leben von der ich keine Ahnung habe was als nächstes Geschieht, wie zum Beispiel, die Entscheidung, von jetzt an nehme ich deinen Abfall nicht nicht mehr mit – was bedeutet, dass ich entweder mit ihm ca. 40 Minuten zum Abfallplatz laufen oder eine andere Lösung finden musste … Mein inneres Kind ist in Aufruhr, kennt dies aber und verharrt in der Situation, nie zu wissen, abschätzen zu können, welche „Strafe“ als nächstes kommt … Mein inneres Kind hat gerade mehr Angst vor der erneuten Veränderung – hat es immer, wenn sich etwas ändert … das wird mir gerade nochmals so deutlich gezeigt …

Also atmen, atmen, atmen. Den Schmerz, die Angst, die Hilflosigkeit, die Ohnmacht des kleinen Mädchens durchatmen. Es sehen und in den Arm nehmen. Ihm eine gute Mutter sein. Es sanft in den Armen wiegen um ihm (mir selbst) wieder Geborgenheit und Sicherheit zu geben, die Erwachsene zu spüren, die Kämpferin, die Überlebende, die Mutige, die in sich Ruhende wieder auferstehen zu lassen …

 

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