Lebe im Jetzt

Eines der Kennzeichen der ungerundeten spirituellen Bewegung ist diese Aussage: ′′ Es gibt nur DIESEN Moment.“ Es wird oft von spirituellen Lehrern gemacht, die sich von ihrer ungelösten Geschichtsvermeidung distanzieren, die sich als Erleuchtung masqueradieren. Wir können den Wert dieser Art des Denkens verstehen – sie ruft uns aus unserem Gedankengut, unserem gewohnheitsmäßigen Bewusstsein heraus – und erinnert uns daran, jetzt hier zu sein. Geht aber nicht – zumindest nicht sehr lange. Denn ′′ dieser Moment ′′ beinhaltet und umfasst tatsächlich jeden Moment vorher. Die Vergangenheit liegt nicht hinter uns, so viele von uns wünschen, sie wäre tief in uns, in unseren Zellen kodiert, als Erinnerung und ungelöste Trauma. Es informiert unsere Linse vollständig über die Realität. Die ′′ Macht des Jetzt ′′ ist in den meisten Fällen nur ein dissoziatives Konstrukt. Weil die meisten von uns immer noch von der Macht von ′′ damals ′′ beeinflusst und regiert werden. Die Antwort ist, nicht so zu tun, als wären wir Gegenwart, wenn alles, was wir getan haben, geflohen ist oder unsere Vergangenheit vorübergehend ausgesetzt ist. Das ist nicht wahr. Das ist keine wahre Heilung. Die Antwort lautet, das ′′ damals ′′ zu besitzen, zu verkörpern und zu lösen, damit unsere Erfahrung des Augenblicks sowohl unsere Geschichte als auch die Art und Weise erkennt, wie unser Moment von unserer Vergangenheit informiert wird. Es ist zu erkennen, dass Vergangenheit und Gegenwart einander intrinsisch sind. Das Geheimnis beginnt mit unserer Geschichte. ((ein Ausschnitt aus ‚Grounded Spiritualität‘)

Autor: Jeff Brown


Meine Erfahrung mit dem Werkzeug, Lebe im Jetzt

Für mich geht es auch nicht darum, dass es die Vergangenheit oder Zukunft nicht gibt – sondern darum wie ich, gerade mit einer traumatischen Vergangenheit umgehe. Ich habe über sehr viele Jahre vorwiegend in der Vergangenheit gelebt und gar nicht sehen können, was JETZT ist, was ich JETZT habe. Mein Fokus war auf das gerichtet, was schief gehen könnte, gefüttert von den Erfahrungen aus der Kindheit … Ich war also immer auf das Schlimmste gefasst, dass etwas gut ausgehen könnte, gut ist, konnte ich nicht wirklich wahr nehmen, zu sehr war ich mit den installierten Programmen des „Versagens“ im weitestens Sinne, verstrickt.

 
Erst als ich begann für mich zu verstehen, dass die Vergangenheit unabänderlich ist, egal wie lange ich auch in Therapie gehe. Irgendwann erkannte ich, dass sich an der Vergangenheit nur die Sicht auf diese Verändern lässt oder anders, die emotionale Ladung und Verstrickung, alles mit den Augen der Erfahrungen aus der Vergangenheit zu sehen, auflösen. Erst als ich mit 36 Jahren Mutter einer wundervollen Tochter wurde, stand ich auf einmal im JETZT, vorgelebt von meinem Kind.
 
Es hat also für mich durchaus eine heilende Berechtigung, mir bewusst zu werden, dass das Leben im Jetzt geschieht und oft viel schöner, erfüllender, sicherer, fließender, großzügiger ist, als das eins erlebte/erlernte.
 
Dies bedeutet nicht, dass alle alten Programmen weg sind. Was weggefallen ist, ist nach und nach die erlebte Geschichte die einst geschehen sind. Die gedankliche Wiederholung des Traumas, des Leids, der Angst.
 
Dass da trotzdem Prägungen sind, ist für mich klar. Doch im Bewusstsein, dass das was JETZT geschieht, nicht das ist was einst geschah, kann ich fühlen was JETZT los ist. Kann ich die JETZTsituation sehen und durchaus auch erkennen, was es mit den Programmen aus der Vergangenheit zu tun hat, statt weggebeamt zu werden und die vergangene Geschichte über das JETZT zu stülpen und mich damit wieder ausgeliefert, falsch, unsicher, überfordert, etc. zu fühlen.
 
Im Jetzt zu leben bedeutet für mich, als Erwachsene wahr zu nehmen, was JETZT geschieht. Meine Reaktionen auf Situationen zu fühlen und ja, durchaus auch erkennen, oh, da ist wieder eine erlernte Abwehrstrategie, ein altes Programm, dass mein Überleben sicherte – welches ich jedoch heute als Erwachsene nicht mehr brauche und dadurch geschieht hinspüren/überlegen, wie ich mit einer jeweiligen Situation JETZT anders umgehen will.
 
Ich finde es absolut wichtig, alles zu hinterfragen und für mich zu erforschen. So erforschte ich auch diesen Satz: Es gibt nur das JETZT. Ich forschte so lange, bis dieser Satz für mich schlüßig und damit auch zu einem Teil meiner Heilung meiner Kindheitstraumas wurde und für mich verstanden habe, dass bei allen Menschen mal was schief läuft und dies nicht bedeutet: Ist ja klar, mit der Vergangenheit kann das Leben nur schwer, schwierig, unerträglich, traurig, mühsam, anstrengend sein …
 
Ich verstand und vestehe immer besser, dass ich die Schöpferin meines jetzigen Lebens bin. Dass meine negative, abgespeicherte Ladung aus der ich die Welt betrachte, mich ständig auch wieder negative Erfahrungen machen ließen …
 
Für mich eine sehr wichtige Erkenntnis, dass das Leben im JETZT geschieht und ich mich, wenn ich wieder in ein Trauma zurück rutschte, darauf fokussiere, „was ist JETZT gerade“ – ist die Situation so gefährlich wie ich gerade glaube sie zu fühlen, zu interpretieren? Bin ich JETZT gerade wirklich in Gefahr? Bin ich hilflos, wie damals als Kind?
Dies bewirkt, dass ich erkenne, oh ich fühle mich gerade wie damals in der Kindheit und mir dann mir bewusst zu machen, ich bin Erwachsenen und kann für mich einstehen, kann eine andere Entscheidung treffen, kann aus einer Situation die mir nicht gut tut, raus gehen, kann eine Grenze setzten, usw.
 
Das ist für mich das JETZT.
 

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