Hoffnung

„Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Ist das so?

Auf was hoffe ich?

Ein Tag vergeht wie der andere. Ich gewöhne mich daran, dass ich kein fließendes Wasser habe … aber langsam entsteht das Bedürfniss mal wieder zu duschen. Vielleicht habe ich ja heute Glück, und die Sicherung bliebt so lange drin, bis ich eine warme Dusche genoßen habe Vamos a ver.

Gestern wollte ich wieder ein Bild malen. Ich habe es zerknüllt und in den Abfall geworfen. Ich kann weder in Worte, noch in einem Bild fassen, wie es mir wirklich geht. Früher hatte ich wenigsten Depressionen oder ich heulte wie ein verwundetes Tier oder fühlte mich wenigsten Hilflos und Ohnmächtig und konnte dann kotzen gehen …

Ich hoffte als junge Frau und noch bis zu meinem Zusammenbruch, dass ich ein „Tool“ finde, mir geschenkt wird, dass Menschen die Gewalt und Missbrauch in der Kindheit erlebt haben, von ihrem Schmerz erlösen kann …

Was wolltest du werden?
Wohin bist du gereist, um nichts zu spüren?
Was sollte, wenn du Groß bist ganz anders sein?

Lebst du dies?

Lebe ich dies?

Als Kind träumte ich davon, dass ich einmal als Kranschwester arbeiten werde. Ich würde in die Zimmer gehen, zu jenen Menschen die bald über die Regenbogenbrücke gehen und ihnen sagen, dass sie keine Angst vor dem Tod und damit, vor dem neuen Leben zu haben brauchen …

Diesen Traum träumte ich als 5-6jährige ständig. Nachts wenn ich schlief oder wenn ich hinter unserem Haus am Bach saß, dem Gurgeln lauschte und versuchte, Forellen so weit zu bringen, dass ich sie streicheln kann, oder wenn ich mich auf einen Baum flüchtet. Dann fühlte ich mich gut.

Erst seit ich fast 2 Jahre nahe der Bergin La Maroma und direkt neben dem Parque Tejeda lebte, erinnerte ich mich, dass ich als Kind oft in die Natur war, statt meine auferlegte Arbeit zu erledigen. Für eine Weile in einem Baum sitzen, diesem irdischen Wahnsinn enthoben, dafür nahm ich eine Tracht Prügel in Kauf … Obwohl immer viel in der Natur war, hatte ich meine tiefe Bindung zu ihr über viele Jahre nur noch selten und kurz gespürt. Zu kurz um zu begreifen, dass sie meine Tankstelle ist.

Ich lebe immer noch … zumindest nicht in einer Stadt. Ja, es ist Natur. Sie wächst wild und frei, an den Wegesränder. Im Moment blüht so vieles. Ich sehe es. Es berührt mich. Doch irgendwie, tanke ich seit ich hier bin, in der Natur nicht mehr auf. Es tut zwar immer noch gut, mit den Hunden laufen zu gehen. Aber mein Tank bleibt leer.

Welche Hoffnung habe ich jetzt?

Na ja, dass sich der Zustand wieder ändert.

„Auch das geht vorbei.“, eine Geschichte die eine Freundin teilte, erinnerte mich an diesen Satz. Ich bin sehr dankbar für diese Botschafft. Danke Ute.

Wenn ich tief einatme und mir diesen Satz sage: „Auch das geht vorbei.“, und dabei noch die Mundwinkel nach oben schiebe, dann geht es mir einen Moment lang wieder gut. Dann fühle ich wieder Leben in mir. Übrigens, natürlich auch irgendwann wieder ausatme …

Muss dies wohl nun alle paar Minuten mal sagen. Atmen, Ein, Aus und während dessen Mundwinkel hoch. Vamos a ver, was passiert.

Aber zurück zu meinem Kindheitstraum, ein Engel des Lichts zu sein, so ähnlich sah ich mich. Ganz in weiß und ein Strahlen um mich. Nur, was fange ich damit an? Hätte ich mir nicht wünschen können, Lokomotivführerin zu werden, das wäre wenigstens etwas Konkretes …

Und du, wie geht es dir so?

Michèle, Geschichtenerzählerin

Bild von Martina Trimpin – Weitere Infos dazu unter:

https://www.glueckseelichkeiten.de/s…/malvorlagen-download/…

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