Bin durch …

So, jetzt bin ich durch und die Entscheidung, nun aus-/umzuziehen ist gestern gefallen und im Laufe der nächsten Tage werde ich nun in das casa pequenia (kleines Häuschen) ein/umziehen.

Das Lernfeld, der Prozess der Heilung die hier auf mich „warteten“, sind nun abgeschlossen, weil ich noch geblieben bin, weil etwas in mir „sagte“, bleib stehen. Geh durch. Flieh nicht. So bin ich die letzten Tage – endlich“ mit meiner tiefsten Wunde des einstigen Kindes nochmals und viel tiefer, umfassener und damit heilender in Berührung gekommen.

Sie zeigte sich zwar immer wieder in meinem Leben und ich weiß seit ich mit 19 Jahren zum ersten Mal in Therapie ging, dass sie da ist. Das da in mir ein tiefer Schatten ist. Ich kam aber nie wirklich da „hinein“. Ich litt an Depression, sehnte mich oft danach aufzugeben, war oft schwach und total erschöpft, orientierungslos, überfordert, stand oft gefühlt auf einer Klippe und sah phasenweise nur einen schwazen Abgrund vor mir … bin zig mal auf meinem Lebensweg „gestorben“, in den Abrund gesprungen und wie Phönix aus der Asche, wieder auferstanden mit neuer Kraft, neuer Zuversicht, mit der Liebe zum Leben um mich irgendwann wieder auf der Klippe stehend, zu empfinden.

Klar, wenn man mitten drin steckt, denkt man oder ich zumindest, das hört jetzt nie mehr auf. Ich werde nie mehr glücklich sein, es wird alles um mich nur noch dumpf und farblos sein. Jedoch immer, egal wie beschießen es mir ging, war da etwas was „sagte“: Du schaffst das. Es ist nur ein Gang durch den Hades deiner Wunden. Ich war sehr früh, schon als jugendliche davon Überzeugt, dass ich es schaffe auf die Sonnenseite der Straße zu gelangen. Dass ich auf keinen Fall mein Leben lang weiter unter meiner Kindheit leiden werde. Und immer wieder bestätigte es sich. Ich fand meine Lebensfreude, mein Vertrauen ins Leben, meine Ausgelassenheit, meine Zuversicht immer wieder und nach jedem Gang durch den Hades, wurden diese Aspekte stärker … und natürlich hoffte ich, gerade in jungen Jahren, dass ich nie wieder über Wochen und Monate im Hades verbringen werde …

Nun ja, die Krallen der Dunkelheit holten mich immer wieder ab. Mit 33 Jahren hatte ich meinen ersten „Zusammenbruch“ und war 4 Wochen in einer Klinik. Im Juni 2015 dann, ein totales heraus geschleudert werden, ein Totalcrash meines Kartenhauses, meines mich irgendwie aufrecht halten, funktionieren. Eineinhalb Jahren mit Panikattacken und lebensbedrohlichen Kehlkopfkrämpfen und eine Nahtoderfahrung – aber erst die letzten Tage bin ich wirklich bis zur tiefsten Wunde vorgedrungen und spüre, dass da wirklich viel Heilung geschehen ist auch dank einer intensiven Session über Skype mit Deva und Nadine – die ich für Prozessarbeit von Herzen empfehlen kann.

Trotz allen Therapien und sonstigen Tools die ich anwende, trotz der Begleitung von wirklich tollen Menschen, Therapeuten etc., trotz der eigenen Ausbildungen in Psychologie und Körperarbeit, der Schatten wich nie wirklich ganz aus mir – selbst wenn ich frisch verliebt war.

Jetzt habe ich das Gefühl, ein Teil des Schattens ist gewichen. Ja, ich spüre, da ist noch ein kleiner Rest in mir – den ich für den Umzug gebeten habe, sich in die Hängematte zu leben um mir die Kraft zu lassen, jetzt wo der Impuls da ist: Es ist gut. Ich bin hier durch/fertig. Ich versprach „ihm“, dem Restschatten, dass wir uns nach dem Umzug wieder treffen …

Eines habe ich in dieser Phase über mich verstanden: Ich lebe aus dem Bauch. Aus meiner Intuition. Meine Entscheidungen sind oft für andere nicht logisch, klar, sie kommen ja auch nicht aus dem Logo und somit können sie nicht logisch erfasst werden auch von mir selbst nicht. Und trotzdem, folge ich dem Bauch im Wissen, dass meine Entscheidungen oft unlogisch und somit auch logische Argumenten fehlen.

Daran habe ich für mich erkannt, wie viel Vertrauen in mir und in mein, ich nehme es jetzt mal, „Geführtsein“ da ist und kann es kaum selbst fassen. Mir war nicht bewusst, dass ich viel mehr Vertrauen ins Leben (Gott?) habe, als ich jemals bisher erfassen konnte. Ich sah mich eher immer als schwach. Schwach wie das einstige Kind, welches Medikamente bekam, weil es so zerbrechlich und schwach war, dass ab dem 12 Lebenjahr nicht mehr am Sportunterricht teilnahm, da es ständig in Ohnmacht fiel …

Nein, ich bin schon LANGE, sehr sehr LANGE alles andere als Schwach. Es waren einfach nur alte Programmierungen und Glaubensätze, wie dicker Nebel vor meiner Stärke, meiner Selbstermächtigung, meiner Kraft und vor meiner Selbstliebe. Klar, nicht durchgehend aber so ganz löste sich der Nebel nie auf.

Doch dies tut er gerade, er löst sich auf mehr und mehr. Ich nehme die alten Programme wahr, achte wieder auf meine Gedanken, die Nebel neu produzieren können und die alten Pragramme wieder stärken und installieren könnten.

Ob der ganze Nebel sich aufgelöst hat?

Vamos a ver.

La vie ressemble a une vague. Elle jette quelque chose sur la plage et emporte autre choce.

Dieser Satz steht auf einer Karte die ich mir in Bordeaux (Frankreich), auf einer Reise mit meinem Vater, mit 16 Jahren als Souvenir gekauft habe.

Übersetzung:
Das Leben gleich einer Welle. Sie wirft etwas auf den Strand und nimmt etwas anderes mit sich mit.

Ich sehe und weiß auch, gerade weil mich die/meine Dunkelheit nicht schreckt, weil ich immer wieder durch sie hindurch bin, kann ich „heute“ andere Menschen durch ihre Dunkelheit begleiten ohne mich in ihren Schmerz, ihre Angst etc. zu verstricken und trotzdem oder gerade deswegen, achtsam, liebevoll aber auch klar und nicht immer sich kuschelig anfühlend, „dich“ durch deinen Hades der Vergangenheit ins Jetzt begleiten. Die Entscheidung durch zu gehen, immer wieder wenn nötig, die kann ich nicht für dich treffen, ich kann dir nicht den Schmerz, die Angst, den Widerstand, die Flucht abnehmen aber da sein in deinen Wellen die etwas bringen und etwas mit sich nehmen.

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